ADHS

Die neurologischen Aspekte eines ADHS lassen sich theoretisch relativ sicher über eine funktionelle Kernspintomographie feststellen, in welcher chemische Prozesse bei der Informationsverarbeitung im Gehirn sichtbar gemacht werden. Über statistische Verfahren werden dann Rückschlüsse auf die Anwesenheit von diversen Neurotransmittern geschlossen. Aber dieses Vorgehen ist sehr teuer und findet in der Praxis zur ADHS-Diagnostik daher keine Anwendung.


ADHS ist die weltweit häufigst diagnostizierte Verhaltensstörung im Kinder- und Jugendalter. Als wissenschaftlich gesichert gilt, dass diese Störung nicht "auswächst", sondern sich im Gegenteil mit zunehmendem Alter weiter verstärken kann. Da diese Diagnose in Deutschland in den vergangenen Jahren sehr selten oder gar nicht gestellt wurde, liegt bei Erwachsenen ein hohes Diagnose-Defizit vor. 

ADHS ist eine Selbstregulationsstörung

Mit dem Begriff Aufmerksamkeits-Defizit / Hyperaktivitäts-Syndrom wird ein Verhaltensmuster beschrieben, das sich durch eine mangelhafte Steuerung der Denk- und Handlungsimpulse auszeichnet. Besonders bei Jungen tritt diese in Verbindung mit Hyperaktivität auf. 


Eine häufige Folge für alle Betroffenen sind Probleme in der Schule, dem Berufs- und Privatleben, wobei die individuellen Ausprägungen oft unterschiedlich sind. Je nach Schwere der Symptome und individueller Entwicklung bleiben die Beschwerden bis ins Erwachsenenalter bestehen. 


Aktuelle Untersuchungen über geschlechtsspezifische Unterschiede der Symptome sprechen gegen die bisherige Annahme, Jungen seien häufiger betroffen als Mädchen. Daher kann man ein erhebliches Diagnose-Defizit besonders für weibliche Betroffene vermuten.


Die hohe Reizoffenheit und emotionale Übererregbarkeit stehen oft in keinem situativen Zusammenhang, sondern werden von einer spezifischen Neurotransmitter-Konfiguration hervorgerufen. Instinktive und angelernte Handlungsimpulse brechen dabei situationsunangemessen hervor und können nicht mehr kontrolliert werden. Nach aktuellen Erkenntnissen bewirkt ein Mangel an den Neurotransmittern Dopamin und Noradrenalin im synaptischen Spalt.


Ursache des ADHS ist...

ein Neurotransmitterungleichgewicht. Die daraus entstehende Informationsverarbeitungsstörung bewirkt eine nicht erklärbare innere Unruhe oder die Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit zu steuern. Auf organischer Ebene ist ADHS ein neurologisches Stoffwechselereignis. Das bedeutet, dass den Nervenzellen des Gehirns spezifische Neurotransmitter zum notwendigen Zeitpunkt nicht in der erforderlichen Menge zur Verfügung stehen. Die gängigste Theorie über diese Erscheinung geht von einem Mangel des Neurotransmitters Dopamin im synaptischen Spalt aus. Durch diesen Mangel wird die Informationsverarbeitung des Gehirns störanfällig. Hierdurch steht dem betroffenen Menschen die Funktionsfähigkeit seines Gehirns nicht vollständig zur Verfügung. Das Gehirn hat die Möglichkeit verloren, Verhaltens- und Denkimpulse, die in der Psyche entstehen, zu regulieren, in geordnete Bahnen zu lenken und aufeinander abzustimmen. Das kann sich z. B. in einem starken Bewegungsdrang, Hyperaktivität oder in seinem Gegenteil, verzögerten Bewegungsabläufen, Hypoaktivität, manifestieren. 


Die Theorie, vertreten von Cordula Neuhaus, dass eine Fehlfunktion im Belohnungssystem, welches auch an der Steuerung der Dopaminausschüttung beteiligt ist, die Selbstregulierung beeinträchtigt, kann auch als Erklärungsmodell dienen. In diesem würde das gestörte Zusammenspiel zwischen der psychischen und organischen Ebene die gesamte ADHS-Symptomatik mit ihren Begleiterscheinungen zu Vorschein bringen.



Die für eine klassische Diagnose erfassten Haupterscheinungen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sind bei Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt. 


Unbehandelt setzt sich diese Kernproblematik, individuell unterschiedlich, bis ins Erwachsenenalter fort. Es besteht die Gefahr einer Verstärkung der Symptomatik. Das kann bei Betroffenen zu schweren Verhaltens- und Persönlichkeitsstörungen bis hin zu sozialer Isolation führen.


Bei Kindern sind schulische Leistungsschwächen, Entwicklungsverzögerungen, aggressives Verhalten und mangelndes Selbstvertrauen, das auch auf Erfahrungen des Zurückgewiesenseins und den vielen Misserfolgen beruht, sehr störende Begleiterscheinungen, die nicht zwangsläufig sein müssen. Problematische ADHS-Kinder haben sowohl in der Schule als auch zu Hause oft Auseinandersetzungen. Auch von Gleichaltrigen werden sie abgelehnt und suchen daher Kontakt zu älteren Kindern, zu Jugendlichen oder gar Erwachsenen.


Bei Erwachsenen kann sich die Hyperaktivität, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Impulsivität mit zunehmendem Alter verringern. Je nach sozialer Zugehörigkeit ist das Leben jedoch von häufigen Arbeitsplatzwechseln, Langzeitarbeitslosigkeit, erhöhter Unfallanfälligkeit, konfliktreichen und oft instabilen Partnerschaften geprägt. In schweren Fällen besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung typischer Begleiterscheinungen wie Depressionen, Angststörungen oder Schlafstörungen. Als sehr störend wirken sich die Symptome auf das emotionale Erleben aus, da es häufig passiert, dass die Betroffenen unangemessen auf die Gefühle anderer Menschen reagieren. 



verursacht, dass man in vielen Situationen leicht ablenkbar und unkonzentriert ist. Nur unter hohem Aufwand ist es möglich, eigenständig strukturiertes Vorgehen an den Tag zu legen. Es besteht die Unfähigkeit, individuell uninteressante, jedoch notwendige Arbeiten durchzuführen. Im Grunde mangelt es nicht an den eigentlichen Kompetenzen. Diese lassen sich jedoch durch die Störung des Gehirnstoffwechsels nur unter größter Anstrengung in Handlungsmuster umsetzen.


ADHS im Alltag bewirkt,

dass strukturierte Handlungen und geordnete Tagesabläufe beeinträchtigt sind. Da Betroffene die Informationen aus ihrem Umfeld nicht angemessen "filtern" können, sind sogar unter optimalen Bedingungen Konzentration und Daueraufmerksamkeit, vor allem bei ungeliebten Tätigkeiten, gestört. Viele Betroffene neigen dazu, die Symptome ihrer Aufmerksamkeitstörung als Ausdruck ihre eigentlichen Neigungen und Bedürfnisse zu sehen und richten ihr Selbstbild danach aus. Vergesslichkeit, das Verlegen von Dingen und das sich Fragen warum man sich gerade einen bestimmten Raum aufhält sind im Alltag sehr störend. Das Zeitgefühl und die Impulsivität der Betroffenen kann zu Problemen in der Bewältigung der gleichzeitigen Durchführung mehrerer Aufgaben beitragen.


Die gestörte Selbststeuerung, hervorgerufen durch mangelnde Hemmung von Reizen (z.B. Jähzorn oder Gleichgültigkeit), kann zusätzlich zur Ablehnung durch die Umwelt und damit zu Störungen des Sozialverhaltens führen. Außenstehende beobachten bei Betroffenen einen Hang zur Selbstsabotage und in schweren Fällen gar zur Selbstzerstörung.


Die Symptome des ADHS

Das ADHS ist durch mangelnde Aufmerksamkeit geprägt, manchmal in Verbindung mit Hyperaktivität. Die daraus resultierende innere Unruhe und Rastlosigkeit erschwert eine adäquate Verarbeitung von Informationen. Dem Gehirn steht nicht seine volle Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum zur Verfügung. Das bewirkt, dass Betroffene in vielen Situationen leicht ablenkbar und unkonzentriert sind und nur schwer in der Lage sind, eigenständig strukturiertes Vorgehen an den Tag zu legen. Es besteht die Unfähigkeit, individuell uninteressante, jedoch notwendige Arbeiten durchzuführen. Nur durch intensive Hilfestellung ist es stark Betroffenen möglich, ihr Alltagsleben zu bewältigen.


Wichtig hierbei ist, dass es im Grunde nicht an den eigentlichen Kompetenzen mangelt. Die von Außenstehenden vermissten Entwicklungsprozesse finden zwar statt, lassen sich für den Betroffenen durch die Störung seines Gehirnstoffwechsels allerdings nur unter größter Anstrengung in Handlungsmuster umsetzen. Deshalb entsteht in sozialen Situationen ein hohes Konflikt- und Versagenspotential. Betroffene berichten häufig von Problemen in der Schule oder im Beruf, innerhalb einer Partnerschaft oder im Umgang mit Freunden und Bekannten. Langfristig sind Frustration und schwere Selbstwertprobleme die Folge.


Im Säuglingsalter

Lang andauernde Schreiepisoden ohne organische Erklärung und starke motorische Unruhe sind ADHS-Symptome. Die Ablehnung von Körperkontakt, häufige Misslaunigkeit verbunden mit Ess- und Schlafproblemen verstärken das Erscheinungsbild. Ein auffälliges Symptom ist das Auslassen der Krabbelphase. Ohne Übergang läuft das Kleinkind los.


Im Kleinkindalter (einschließlich Kindergarten)

Schnelle, häufige und unpassende Handlungswechsel durch mangelnde Impulskontrolle, sowie Teilleistungsschwächen beim Hören und Sehen, der Fein- und Grobmotorik führen zu einer vermehrten Unfallgefahr. Außerdem behindert es den Erwerb von Ausdauer bei Einzel- und Gruppenspielen, führt zu unberechenbarem Sozialverhalten und erschwert die Aufnahme beständiger Freundschaften. Ausgeprägte Trotzreaktionen bei den einfachsten Anforderungen beeinträchtigen den gesamten Alltag der Familie und erschweren die Arbeit der Kindergartenmitarbeiter. Auffallend sind ein früher oder verzögerter Spracherwerb und Sprechstörungen wie Stottern oder Poltern.


Im Grundschulalter

Regeln in der Familie werden nicht akzeptiert. Es ist viel Überredungskunst nötig und es bedarf ausgeklügelter Belohnungssysteme, um die Kinder zum selbstständigen Gestalten des Familienlebens zu motivieren. Das Gleiche gilt für die Akzeptanz von Regeln in der Spielgruppe und der Klassengemeinschaft.


Die Kinder stören im Unterricht und zeigen wenig Ausdauer bei für sie uninteressanten Aufgaben. Auffällig sind starke Ablenkbarkeit, emotionale Instabilität und geringe Frustrationstoleranz. Das führt zu Wutanfällen und aggressivem Verhalten.


Durch schlechte Schrift, chaotisches Ordnungsverhalten, Lese- und/oder Rechtschreib-Schwäche und Dyskalkulie entstehen Lern- und Leistungsprobleme, die zu Klassenwiederholungen führen. Bei manchen Kindern beeinträchtigt ständiges Reden müssen (Logorrhö), überhastetes Sprechen (Poltern) oder Stottern die verbale Kommunikation. Gefühle können nicht mit der passenden Mimik ausgedrückt werden. Gestik und Körpersprache entsprechen nicht den verbal geäußerten Inhalten. Wie im Kleinkindalter auch, erleiden die Kinder wegen ihrer gestörten Fein- und/oder Grobmotorik häufig Unfälle.


Die Entwicklung des Kindes wird behindert durch die Unfähigkeit dauerhaft soziale Bindungen aufzubauen. Außenseitertum verhindert den Aufbau notwendiger sozialer Kompetenzen. Das Kind kann kein stabiles Selbstbewusstsein aufbauen und hält sich daher nur in Gruppen mit "gleichtickenden" Kindern auf. Dieses Handlungsmuster wird ins Jugendalter übernommen



Auffällig ist ein stetiges stimulieren durch Bewegen, sei es fein- oder grobmotorisch, oder sie verlieren sich in Situationen, die eigentlich ihre Aufmerksamkeit erfordern, in Traumwelten.


Als sehr störend wirkt sich ein ausgeprägtes Desinteresse und Unaufmerksamkeit für Aufgaben und Tätigkeiten für die sie keine Sinnhaftigkeit erkennen aus. In der Schule werden bei sog. Problemfächern die Lehrer für das eigene problematische Lernverhalten angeklagt. Emotional können die Schüler der daraus entstehenden Eskalationsspirale nicht entkommen, auch wenn der Lehrer mit viel pädagogischem Geschick die Ursachen aufzeigen kann.


Eine daraus entstehende Null-Bock-Mentalität, zusammenhängend mit Leistungsverweigerung und oppositionell-aggressivem Verhalten in der Familie, in der Schule oder später in der Lehre/Studium, wird von stark vermindertem Selbstwertgefühl, Ängsten und Depressionen begleitet.


Nur in Kontakten zu sozialen Randgruppen und durch das sich Aufteilen in kleine Gruppierungen mit spezifischen Interessen, z.B. politischer, religiöser oder kultureller Natur, oft Verbunden mit sektenhaften Strukturen, können sie ein funktionierendes Selbstbild aufzubauen. Um dieses Bild aufrecht zu erhalten, lehnen sie alle Bemühungen von Eltern oder Pädagogen, ihnen Alltagskompetenzen auf den Lebensweg mitzugeben, als Spießer- oder Anpassertum ab.


Diese Unfähigkeit, sich eigene soziale Strukturen aufzubauen, kann auch zur Folge haben, dass die Jugendlichen, die sich keiner Randgruppe angeschlossen haben, im alltäglichen Leben aus Unsicherheit überangepasst sind.


Allen gemeinsam ist der sehr hohe Kontrollaufwand, den sie durchführen, um "ihre" soziale Rolle zu spielen. Dieser Kontrollaufwand zeigt sich in strikten Ritualen, tradierten Symbolen und einer bedingungslosen Annahme sozialer Hierarchiestrukturen. Sehr gut ist dieses Verhalten z.B. in radikalisierten politischen Gruppierungen, von links bis rechts, zu beobachten. Das geht sogar so weit, dass sich gegensätzliche Gruppierungen äußerlich kaum unterscheiden lassen. 


Auffallend ist die Suche nach gefährlichen Situationen und "Nervenkitzel". Sehr viele Verkehrsunfälle, hervorgerufen durch getunte Mofas oder Autos, oft in Zusammenhang mit Drogenkonsum, sind die Folge eines unbehandelten ADHS. Die Neigung zu Gewaltdelikten und dem maßlosen Gebrauch von legalen und illegalen Drogen kann in letzter Konsequenz zu schwerwiegenden und unwiderruflichen Auswirkungen führen. Man geht davon aus, dass ADHS die Hauptursache für Todesfälle im Kindes- und Jugendalter ist, da wenn diese Störung nicht behandelt wird, die Unfallgefahr steigt und eine starke Anfälligkeit für unkontrollierten Drogengebrauch besteht.


Diese Schwierigkeiten werden oft ins Erwachsenenleben mitgenommen.



Auch wenn erwachsene Betroffene eine Nische in der Gesellschaft finden, in der ihre Störung abgepuffert wird, führen sie ein Leben in ständigem Stress und Alarmbereitschaft.


Sie spüren, dass sie ihre vielfältigen Begabungen und ihre Ressourcen nicht ausschöpfen können. Wenn sie ihre Fähigkeiten erkennen und umsetzen wollen, merken sie schnell, dass sie an für sie unerklärliche Grenzen bei der Durchführung stoßen. Dieses subjektiv zu geringe Leistungsvermögen führt sie oft zu dem Verdacht, dass irgendetwas mit ihnen nicht stimmt.


Auffällig sind eine geringe Stress- und Frustrationstoleranz und ein übermäßiges Ruhebedürfnis bei Überforderung.


Auf neue Situationen kann man sich nur sehr schwer einstellen und wehrt sich gegen Veränderungen. Stets ist man auf der Suche nach Erklärungen warum etwas Neues nicht geht.


Ein ständiges Grübeln führt zu verschiedenen Schlafstörungsmustern.

Ein starker Rededrang (Logorrhoe), Abschweifen vom Thema, pausenlos ins Wort fallen und die Unfähigkeit den anderen zu Wort kommen zu lassen machen es sehr schwierig in entscheidenden privaten oder beruflichen Situationen über längere Zeit ein Gespräch zu führen.


Selbstregulationsstörungen wirken sich nicht als eine abgrenzbare Störung in nur einem Lebensbereich aus, sondern prägen alle Lebensbereiche. ADHS zeigt sich über das persönliche Verhalten hinaus auch im sozialen Leben oder in besonderen Lebensumständen, die man sich geschaffen hat.


Behandlung des ADHS

Trotz aller störenden Symptome können Kreativität, Querdenken, ein außergewöhnlich schnelles Erfassen komplexer Zusammenhänge und vor allem bei Kindern ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn den Betroffenen auszeichnen. Deshalb gilt es im alltäglichen Umgang nicht nur Defizite zu bemängeln, sondern ebenso diese Kompetenzen zu fördern. Dies gilt im besonderen Maße innerhalb einer Therapie, da sich nur so das Selbstwertgefühl langfristig steigern und häufig auftretende begleitende Störungen wie Depressionen vermeiden lassen. So kann davon ausgegangen werden, dass Erfolgserlebnisse es dem Betroffenen erleichtern seine Schwächen zu bearbeiten.


Eine Methylphenidat-Therapie bei Jugendlichen ist schwieriger als bei Kindern. Jugendliche lassen sich von den in ihrer Szene vorherrschenden "Coolness-Idealen" beeinflussen und reagieren oft abweisend gegenüber einer Methylphenidat-Therapie. Wenn sie sich aber doch zu einer Therapie entschließen, merken sie schnell, wie sie es geschickt für sich ausnutzen können, dass ihre Eltern in ihrem gewohnheitsmäßigen Umgang mit ihnen stecken bleiben. Diese Jugendlichen sind dann erstaunlich clever darin, für ihre Eltern etwas zu inszenieren, von dem sie sich Vorteile versprechen. Wenn dann noch hinzukommt, dass sie bei ihren Eltern selbst unter Umständen ADHS-Symptome erkennen können, droht diese Situation nicht selten zu eskalieren. Die Grundlage für eine erfolgreiche Methylphenidat-Therapie ist ein Elternhaus, in dem sich die Eltern selbst kritisch hinterfragen und verändern können und damit die Veränderungen ihrer Kinder tragen und unterstützen. So wird verhindert, dass eine anfangs vielversprechende Therapie im Chaos endet. 


Wenn Erwachsene sich für eine Methylphenidat-Therapie entscheiden, geht es zuerst darum zu erkennen, dass eine Selbstregulationsstörung sich nicht als eine abgrenzbare Störung in nur einem Lebensbereich auswirkt, sondern das gesamte Leben beeinflusst. Nicht nur das persönliche Verhalten, sondern auch das gesamte soziale Umfeld und die Lebensumstände die man sich geschaffen hat, sind stark von den Auswirkungen der Symptome geprägt. Erwachsene beschränken sich oft selbst in ihrer Therapie, indem sie die ADHS-Symptomatik nur für bestimmte Lebensbereiche (vor allem in Leistungsbereichen) erkennen, akzeptieren und bearbeiten wollen. Erfahrungsgemäß gehen aber therapeutische Erfolge, die nicht die gesamte Lebensweise umfassen, schnell verloren und das alte Leiden stellt sich wieder ein. Die während der Medikamenteneinnahme als nicht behandlungswürdig betrachteten Auffälligkeiten verstärken sich nach dem Ausschleichen des Medikamentes.


SRcoaching hilft, ein ganzheitliches Verständnis für die Auswirkungen von Selbstregulationsstörungen zu erlangen und darauf aufbauend Fortschritte in der Lebensgestaltung oder -bewältigung auch nachhaltig zu festigen.


Selbst von ADHS betroffen, erlebte ich während meiner eigenen medikamentösen Therapie, dass die Stabilisierung der Fähigkeit mich kontrolliert zu verhalten Auswirkungen auf mein gesamtes Leben hatte, die ich so nicht erwartet hatte. Nachdem ich mein Leben in einem unüberschaubaren Chaos eingerichtet hatte, machte ich nun täglich die Erfahrung neuer Möglichkeiten. Ein Prozess der intensiven Beschäftigung mit meinem Selbst und der Umwelt begann und ist auch heute nicht beendet. 


Ohne Einnahme des Medikaments erfolgt dieser Prozess, der bei meinen Klienten ein Schlüsselelement in der Behandlung ihrer Selbstregulationsstörung ist, nur partiell.


Methylphenidat, seit ca. 60 Jahren auf dem Markt, ist eine chemische Verbindung und kann daher das Leben nicht verändern. Eine Therapie kann der Betroffene nur für sich selbst durchführen. Das Medikament ist eine wesentliche Hilfe dabei, da es vorübergehend von Symptomen befreit. Wird die Dauer der Methylphenidat-Therapie allerdings nicht sorgfältig genutzt, kehren nach dem Abklingen der Wirkung des Medikamentes die alten Probleme fast unverändert wieder. Daher weiß ich aus Erfahrung, dass nur eine Medikamenteneinnahme aus eigener Überzeugung sinnvoll ist. 


Es gibt keine einheitliche Richtlinie, wie dieses Medikament eingenommen werden sollte. Die alte Praxis, es nur für die Phasen zu benutzen, in denen Konzentrationsfähigkeit erforderlich ist, weicht langsam zurück. Aus Erfahrung wurde dazu übergegangen, es konstant über den gesamten Tag verteilt einzunehmen. Für die Betroffenen ist es förderlicher, auf ihrem natürlichen Niveau funktionieren zu können, als ständig zwischen verschiedenen Zuständen zu wechseln.


Die Erfahrung zeigt, dass das Medikament nur ca. 2 Stunden und 40 Minuten lang optimal wirkt und daher regelmäßig in diesem Intervall eingenommen werden sollte. Eine Vibrationsuhr oder ein Mobiltelefon mit Countdown-Timer ist eine große Hilfe, die Einnahmezeitpunkte ohne viel Stress in den Alltag zu integrieren. Es gibt noch Retardmittel, die so konzipiert sind, dass sie den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum, in der Regel 4-10 Stunden, abgeben. Sie haben aber den großen Nachteil, dass sie nur in wenigen Abstufungen erhältlich sind und man die Dosis nicht seinem persönlichen Bedarf anpassen kann. Sie werden hauptsächlich für Kinder genutzt, um sie vor einer Stigmatisierung in der Schule zu schützen und eine kontinuierliche Einnahme zu gewährleisten. Um die optimale Dosis zu finden, wird die Dosis pro Einnahme nach einem vereinbarten Zeitplan jeweils um 2,5mg erhöht. Sobald wieder verstärkt ADHS-Symptome auftreten, z. B. Kontrollverlust oder Apathie, kann man von einer leichten Überdosierung ausgehen und die vorangegangene Dosis als die optimale Dosis annehmen. Generell gilt als allgemeine Regel, dass bei einer Über- oder Unterdosierung die vorhandene ADHS-Symptomatik wieder auftritt.


Die am häufigsten vorkommende Nebenwirkung ist Appetitmangel. Bei Kindern muss dieser mit einem Essensplan ausgeglichen werden. Langzeitstudien haben gezeigt, dass betroffene Kinder durch eine Methylphenidat-Therapie keine Wachstumseinbußen hinnehmen müssen.


Ebenfalls fällt auf, dass latente Erkrankungen, also bereits im Körper vorhandene Krankheiten, ausbrechen und sich dann gut behandeln lassen. Das gilt vor allem für Erkrankungen die als Ursache eine Immunschwäche oder eine erworbene Intoleranz, z.B. Histaminintoleranz, haben. Sollte Methylphenidat, trotz sorgfältiger Einnahme, nicht über den ganzen Tag konstant wirken, kann man von einer weiteren zugrundeliegenden Erkrankung ausgehen. So berichtete mir eine Klientin, dass sie, nach Abklärung mit Fachärzten, eine Histaminin- und eine Lactoseintoleranz bei sich festgestellt hat. Erst während der sorgfältigen Methylphenidateinnahme hat sie ihre Ernährung umgestellt und fühlt sich nun mit ihrem Körper wohler. Für den Erfolg einer Mph-Therapie ist es daher sehr wichtig, dass die Betroffenen ihre körperliche und psychische Selbstwahrnehmung schulen, um eine erfolgversprechende Therapiemethode nachhaltig wirken zu lassen. 


Erwachsene Betroffene die das Medikament nur auf Druck der Umwelt einnehmen, neigen zu psychosomatischen Beschwerden. Oft behelfen sie sich mit einer Reduzierung ihrer Dosis und nutzen die Wirkung des Medikamentes nicht genügend aus. Dann sollte man ihnen von einer Weiterbehandlung mit dem Medikament abraten, denn wenn die Symptome nicht optimal behandelt werden, kehrt nach Abklingen der Wirkung die alte Symptomatik stärker als vor der Einnahme zurück. Es hat sich gezeigt, dass Psychopharmaka es einem erschweren, die Wirkung von Methylphenidat wahrzunehmen. Wenn andere Medikamente eingenommen werden, z. B. Antidepressiva, empfehle ich mit dem Beginn einer Methylphenidat-Therapie, das Medikament langsam ausschleichen zu lassen. Das sollte allerdings nur in Begleitung eines verständnisvollen Arztes geschehen. So hat man die Möglichkeit, die Wirkung von Methylphenidat unbeeinträchtigt für sich zu nutzen und kann die Ursachen seiner vorherigen psychischen Störungen erkennen und bearbeiten. Erfahrungsgemäß legen sich diese in einer sorgfältig durchgeführten Methylphenidat-Therapie, so dass die vorher eingenommen Psychopharmaka nicht mehr notwendig sind. Ein Coaching ist eine wichtige Unterstützung für eine optimal durchgeführte Therapie mit nachhaltigen Ergebnissen.



Wenn ein Kind das Medikament rechtzeitig erhält und eine fachkundige sowie sorgfältige Einnahme gewährleistet ist, bleiben ihm die negativen Auswirkungen einer Selbstregulationsstörung erspart.


Da das Kind noch keine lange Krankheitsgeschichte hat, ist sein Selbstbild noch nicht so stark von dieser Störung geprägt. Das Kind kann dann seine Fähigkeiten voll zur Entfaltung bringen, seinen Interessen nachgehen und sich im Alltag zurechtfinden. Eine Schulung zur Körperwahrnehmung und Bewegungskoordination, wie bei allen Kindern, sowie eine helfende Begleitung für die Eltern ist jedoch erforderlich. 


Am Anfang eines SRcoachings steht auch bei Kindern das Finden der richtigen Medikamenten-Dosis. Auch wenn bereits eine längere Einnahme von Methylphenidat besteht, kann nicht davon ausgegangen werden, dass zu Beginn der Therapie spontan die richtige Dosis gefunden wurde. Das ist ein Prozess, der nur in enger Zusammenarbeit mit den Kindern selbst und ihren Eltern wie auch Lehrern erfolgreich sein kann. Meine Erfahrung zeigt, dass Kinder oft nicht ihre optimale Dosis erhalten, weil sie nicht genügend in den Prozess der Dosisfindung miteinbezogen werden.


An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Mythos, Kinder würden mit Methylphenidat ruhig gestellt, höchstwahrscheinlich in unbeabsichtigter Überdosierung seine Wurzel hat. Die Folgen von unbeabsichtigten Überdosierungen werden von den Eltern als natürliche und beabsichtigte Folge der Medikamenteneinnahme betrachtet. Damit geht die Möglichkeit zur Korrektur verloren.


Auch das Gegenteil kann auftreten - die Kinder werden unterdosiert, es treten keine Veränderungen ein und daraufhin wird die Therapie zum Nachteil des Kindes abgebrochen.


Daher ist zu Beginn eines SRcoachings die Aufklärung aller Beteiligten sehr wichtig, damit den Kindern solche Erfahrungen erspart bleiben können. Wenn die richtige Dosis gefunden wurde, zeigt es sich, ob eine weitere Begleitung des Kindes notwendig ist. Oft ist eine weitere Beratung notwendig, um Veränderungen in der  benötigten Dosis zu erkennen.


Manchmal tauchen während einer erfolgreich verlaufenden ADHS-Therapie Probleme auf, die vorher noch nicht erkennbar waren. So kenne ich aus meiner Arbeit einen Fall, in dem ein Kind aufgrund seiner neuen Wahrnehmung und seinen Erfahrungen mit der Wirkung von Methylphenidat das Krankheitsbild einer ADHS tiefer zu durchschauen lernte als seine Bezugspersonen und es daher prompt bei seiner Mutter diagnostizierte. Da eine daraufhin konsultierte Ärztin diese "Diagnose" bestätigte, kann ich diesen Fall heranziehen, um zu veranschaulichen, welche für die Eltern unvorhergesehenen Wendungen eine ADHS-Therapie ihrer Kinder nehmen kann. An diesem Punkt kann die Therapie ins Stocken geraten, da die Kinder das Gefühl haben, von ihren Eltern nicht verstanden zu werden, solange diese sich nicht in dieselbe Richtung bewegen. In Auseinandersetzung mit ihren Kindern müssen die Eltern sich daher selbst mit diesem Krankheitsbild auseinander setzen und benötigen eine entsprechende Beratung. Tatsächlich tritt dieses Problem häufig auf, da es sich nach aktuellem Wissensstand bei ADHS um eine vererbbare Erscheinung handelt. Andere Familienmitglieder können daher auch von dieser Störung betroffen sein, ohne es zu wissen. Hier wird noch einmal deutlich, dass das gesamte soziale Umfeld des Kindes aufgeklärt sein sollte und alle Personen entsprechende Konsequenzen daraus ziehen sollten.


Diese Auseinandersetzung hat man als Elternteil noch mehr bei Jugendlichen.



Eine Methylphenidat-Therapie bei Jugendlichen ist schwieriger als bei Kindern. Jugendliche lassen sich von den in ihrer Szene vorherrschenden "Coolness-Idealen" beeinflussen und reagieren abweisend gegenüber einer Methylphenidat-Therapie. Wenn sie sich aber doch zu einer Therapie entschließen, merken sie schnell, wie sie es geschickt für sich ausnutzen können, dass ihre Eltern in ihrem gewohnheitsmäßigen Umgang mit ihnen stecken bleiben. Diese Jugendlichen sind dann erstaunlich clever darin, für ihre Eltern etwas zu inszenieren, von dem sie sich Vorteile versprechen. Wenn dann noch hinzukommt, dass sie bei ihren Eltern selbst unter Umständen ADHS-Symptome erkennen können, droht diese Situation nicht selten zu eskalieren.


Die Grundlage für eine erfolgreiche Methylphenidat-Therapie ist ein Elternhaus, in dem sich die Eltern selbst kritisch hinterfragen und verändern können und damit die Veränderungen ihrer Kinder tragen und unterstützen. So wird verhindert, dass eine anfangs vielversprechende Therapie im Chaos endet. 


Wird die Diagnose ADHS erst im Erwachsenenalter gestellt, ändert sich die Situation dahingehend, dass nun die Verantwortung für die Therapie ganz beim Betroffenen liegt. 



Wenn Erwachsene sich für eine Methylphenidat-Therapie entscheiden, tritt oft ein typisches Problem in Erscheinung. Sie zeigen zwar Krankheitseinsicht, wollen sich dabei aber nicht eingestehen, dass Selbstregulationsstörungen sich nicht als eine abgrenzbare Störung in nur einem Lebensbereich auswirken, sondern alle Lebensbereiche prägen. SRS zeigt sich über das persönliche Verhalten hinaus auch im sozialen Leben oder in besonderen Lebensumständen, die man sich geschaffen hat. Daher beschränken sich Erwachsene oft selbst in ihrer Therapie, indem sie die ADHS-Symptomatik nur für bestimmte Lebensbereiche erkennen, akzeptieren und bearbeiten wollen. Erfahrungsgemäß gehen aber therapeutische Erfolge, die nicht die gesamte Lebensweise umfassen, schnell verloren und das alte Leiden stellt sich wieder ein. Hier hilft Coaching, ein ganzheitliches Verständnis für die Auswirkungen von Selbstregulationsstörungen zu erlangen und darauf aufbauend eigene Fortschritte in der Lebensbewältigung zu stabilisieren. Leider werden nach erfolgter Diagnose nur die Symptome behandelt, die im Lehrbuch stehen. So manche schwerwiegende Probleme, die einen zum Arzt getrieben haben, werden in der Diagnose oft nicht berücksichtigt, da sie für die Krankheitsdefinition häufig keine Rolle spielen. Hier liegt der Keim für das Versagen der Therapie.


SRcoaching schafft hier eine Verbindung zwischen dem, worunter man leidet, und dem, was man wissenschaftlich als Störung diagnostiziert bekommen hat. Nur so wird aus einer Standardbehandlung eine wirksame und individuelle Hilfe zur Selbstfindung und Selbstverwirklichung.



Dem Wort nach bedeutet ADHS-Therapie die Verwandlung eines ADHS-Betroffenen in einen Nicht-ADHS-Betroffenen. Menschen jedoch, ob Kinder oder Erwachsene, verändern sich aber auch dann nicht, wenn das Therapieziel der Nicht-ADHS`ler sein soll. Bei diesem handelt es sich eher um ein fragwürdiges Ideal. Der Nicht-ADHS`ler existiert genauso wenig wie der ADHS`ler. Gerade der Versuch Menschen zu normieren und zu kategorisieren, um Ihnen zu helfen, geht an jeder Realität vorbei und ist eine gefährliche Vereinfachung. ADHS-Symptome treten unterschiedlich in Erscheinung, und werden je nach Lebenskontext, sozialem Status und finanzieller Sicherheit zum Teil völlig gegensätzlich bewertet. Ein Mal als individuelle Eigenheiten oder ein anderes Mal als tatsächliche Störung mit Krankheitswert. Daher muss der Coach sich auf jeden Betroffenen individuell einstellen.


Da etwas, das für den einen Klienten von Nutzen sein kann, einem anderen Schaden könnte, kann nur ein individuelles Therapieprogramm nachhaltig erfolgreich sein. Beim Coaching geht es nicht darum den Menschen zu verändern, sondern sein Verhaltensrepertoire zu erweitern. Deshalb verfolge ich das Konzept des Selbstregulationscoachings.

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